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Motzi der Mecker-Kater sitzt neben Laya und ihrem selbstgebastelten Windrad im sonnigen Garten

Ehrlichkeit & Vertrauen

Motzi und das kaputte Windrad

Eine kleine Geschichte darüber, dass ein Fehler schnell passiert – und die Wahrheit mehr repariert als jeder Klebestreifen.

An diesem Morgen war Motzi ungewöhnlich gut gelaunt.

Das allein war schon verdächtig.

Er lag auf der warmen Steinmauer im Garten, ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen und hatte seit mindestens zehn Minuten nichts zu meckern.

Laya bemerkte das natürlich sofort.

„Geht es dir gut?“, fragte sie.

Motzi öffnete ein Auge.

„Warum sollte es mir nicht gut gehen?“

„Du hast noch gar nicht gemeckert.“

Motzi setzte sich auf.

„Ich meckere überhaupt nicht ständig.“

In diesem Moment flog ein Blatt über seine Nase.

Motzi schnaubte.

„Unverschämtes Blatt.“

Laya grinste.

„Da bist du ja wieder.“

Sie trug etwas unter dem Arm.

Ein kleines Windrad aus Papier.

Die Flügel waren blau und gelb bemalt und in der Mitte steckte ein roter Knopf.

Motzi legte den Kopf schief.

„Was ist das denn?“

„Mein neues Windrad.“

„Das sehe ich.“

„Ich habe es selbst gemacht.“

Motzi sprang von der Mauer.

Laya hielt das Windrad stolz in die Luft.

Sofort drehte es sich im Wind.

Surr.

Surr.

Surr.

Laya strahlte.

„Schön, oder?“

Motzi betrachtete es.

„Ganz nett.“

„Ganz nett?“

„Für Papier.“

Laya verdrehte die Augen.

Sie steckte das Windrad in die Erde neben dem Blumenbeet.

„Ich hole kurz meine Tasche. Fass es bitte nicht an.“

Motzi hob empört den Kopf.

„Warum sollte ich dein Windrad anfassen?“

„Nur so.“

„Ich fasse nie Sachen an, die mir nicht gehören.“

Laya sah ihn an.

Motzi sah zurück.

„Fast nie“, ergänzte er.

Dann lief Laya ins Haus.

Motzi blieb allein im Garten.

Surr.

Surr.

Surr.

Das Windrad drehte sich.

Motzi beobachtete es.

Eigentlich war es wirklich ganz hübsch.

Und wie schnell es sich drehen konnte.

Motzi ging näher.

Surr.

Surr.

Surr.

Er hob eine Pfote.

Nur ein kleines bisschen.

„Ich fasse es nicht an“, sagte er zu sich selbst.

Er stupste es an.

Das Windrad drehte sich schneller.

Motzis Augen wurden groß.

Noch einmal.

Surrsurrsurrsurr!

„Ha!“

Motzi stupste es stärker an.

Noch schneller.

Dann noch einmal.

Und noch einmal.

Plötzlich kam eine Windböe.

Das Windrad knickte zur Seite.

Motzi wollte es festhalten.

Doch seine Pfote erwischte einen der Papierflügel.

Ratsch.

Motzi erstarrte.

Das Windrad drehte sich nicht mehr.

Ein blauer Flügel hing schief herunter.

Motzi starrte ihn an.

„Oh.“

Er sah zum Haus.

Keine Laya.

Er sah wieder zum Windrad.

Vielleicht konnte er es reparieren.

Motzi drückte den Flügel zurück.

Er fiel wieder herunter.

Er leckte darüber.

Das machte alles nur noch schlimmer.

Jetzt war das Papier zusätzlich nass.

„Großartig“, murmelte Motzi.

Da hörte er Schritte.

Laya kam zurück.

Motzis Herz machte einen kleinen Hüpfer.

„Was machst du da?“

„Nichts.“

Motzi stellte sich schnell vor das Windrad.

Laya blieb stehen.

„Warum stehst du vor meinem Windrad?“

„Stehe ich doch gar nicht.“

„Doch.“

„Zufall.“

Laya ging nach links.

Motzi ging ebenfalls nach links.

Laya ging nach rechts.

Motzi ging nach rechts.

„Motzi.“

„Ja?“

„Geh zur Seite.“

Motzi bewegte sich nicht.

Laya verschränkte die Arme.

„Bitte.“

Ganz langsam trat Motzi zur Seite.

Laya sah das kaputte Windrad.

Ihr Lächeln verschwand.

„Oh.“

Motzi schaute auf seine Pfoten.

Laya hob den abgeknickten Flügel vorsichtig hoch.

„Was ist passiert?“

Motzi öffnete den Mund.

Er hätte sagen können, der Wind sei schuld.

Oder ein Vogel.

Oder vielleicht eine besonders rücksichtslose Schnecke.

Stattdessen sagte er:

„Es war schon so.“

Laya sah ihn an.

Ganz lange.

Motzi hielt ihrem Blick nicht stand.

„Wirklich?“

„Ja.“

„Als ich gegangen bin, war es noch ganz.“

Motzi zuckte mit den Schultern.

„Dann muss es der Wind gewesen sein.“

Laya sagte nichts.

Sie nahm das kaputte Windrad und setzte sich unter den Apfelbaum.

Motzi blieb stehen.

Irgendwie hatte er erwartet, dass Laya schimpfte.

Aber sie schimpfte nicht.

Das war viel schlimmer.

Nach einer Weile setzte Motzi sich ein Stück neben sie.

„Du kannst doch ein neues machen.“

Laya strich über das Papier.

„Ja.“

„Dann ist doch alles gut.“

„Nein.“

Motzi runzelte die Stirn.

„Warum nicht?“

Laya sah ihn an.

„Weil ich dich gebeten habe, es nicht anzufassen.“

Motzi schwieg.

„Und weil ich glaube, dass du mir gerade nicht die Wahrheit sagst.“

Motzi schaute weg.

Ein Vogel zwitscherte.

Eine Biene summte am Blumenbeet vorbei.

Alles war plötzlich ziemlich laut.

Motzi spürte ein unangenehmes Ziehen im Bauch.

Er mochte dieses Gefühl überhaupt nicht.

„Vielleicht“, begann er.

Dann hörte er wieder auf.

Laya wartete.

„Vielleicht habe ich es ganz kurz angefasst.“

„Ganz kurz?“

Motzi nickte.

„Nur mit einer Pfote.“

Laya sagte nichts.

„Und dann vielleicht noch einmal.“

Motzi schluckte.

„Und noch einmal.“

Laya hob eine Augenbraue.

Motzi seufzte.

„Ich habe es kaputt gemacht.“

Jetzt war es raus.

Er fühlte sich gleichzeitig besser und schlechter.

„Ich wollte nur sehen, wie schnell es sich drehen kann.“

Laya blickte auf das Windrad.

„Warum hast du nicht gleich die Wahrheit gesagt?“

Motzi zog die Schultern hoch.

„Weil du dann sauer auf mich gewesen wärst.“

„Und jetzt?“

Motzi überlegte.

„Bist du auch sauer.“

„Ein bisschen.“

Motzi senkte den Kopf.

„Na toll.“

Laya setzte sich etwas näher.

„Aber ich bin nicht nur wegen des Windrads sauer.“

Motzi sah sie an.

„Sondern?“

„Weil du so getan hast, als wärst du es nicht gewesen.“

Motzi schwieg wieder.

Dann murmelte er:

„Entschuldigung.“

Laya sah ihn an.

„Wie bitte?“

Motzi verzog das Gesicht.

„Ich sagte: Entschuldigung.“

„Das klang eher wie ein Husten.“

Motzi atmete tief ein.

„Es tut mir leid, Laya.“

Diesmal sagte er es deutlich.

„Ich hätte dein Windrad nicht anfassen dürfen. Und ich hätte dir gleich sagen sollen, dass ich es kaputt gemacht habe.“

Laya lächelte ein kleines bisschen.

„Danke.“

Motzi sah auf das kaputte Windrad.

„Kann man es noch retten?“

„Vielleicht.“

Sie legten das Windrad auf die Mauer.

Laya holte Papier, einen kleinen Klebestreifen und ihre Farbstifte.

Motzi hielt den kaputten Flügel fest.

Laya klebte ihn vorsichtig.

Dann fehlte nur noch etwas Farbe.

„Blau“, sagte Laya.

Motzi griff nach einem Stift.

„Das kann ich.“

Er malte vorsichtig über die reparierte Stelle.

Sehr vorsichtig.

So vorsichtig, wie Motzi sonst eigentlich nie irgendetwas machte.

Nach einer Weile steckte Laya das Windrad wieder in die Erde.

Eine kleine Windböe kam.

Surr.

Das Rad drehte sich.

Etwas langsamer als vorher.

Und der reparierte Flügel war ein bisschen schief.

Aber es drehte sich.

Motzi grinste.

„Siehst du? Fast wie neu.“

Laya betrachtete es.

„Nicht ganz.“

Motzi sah sie besorgt an.

Dann lächelte Laya.

„Aber irgendwie gefällt es mir so sogar besser.“

„Mit dem schiefen Flügel?“

„Ja.“

Motzi schüttelte den Kopf.

„Mäuse haben einen sehr seltsamen Geschmack.“

Laya lachte.

Motzi setzte sich neben das Windrad.

Eine Weile beobachteten sie gemeinsam, wie es sich im Wind drehte.

Dann sagte Motzi leise:

„Laya?“

„Ja?“

„Wenn ich das nächste Mal etwas kaputt mache, sage ich es gleich.“

Laya grinste.

„Das wäre gut.“

Motzi dachte kurz nach.

„Aber noch besser wäre es natürlich, wenn ich einfach nichts mehr kaputt mache.“

Genau in diesem Moment lehnte er sich gegen einen Blumentopf.

Der Topf wackelte.

Motzi sprang erschrocken zur Seite.

Laya hielt ihn gerade noch fest.

Beide sahen sich an.

Dann mussten sie lachen.

Denn Motzi hatte an diesem Tag etwas Wichtiges gelernt:

Einen Fehler zu machen, fühlt sich manchmal unangenehm an.

Die Wahrheit zu sagen manchmal auch.

Aber ein ehrliches „Es tut mir leid“ kann etwas reparieren, das viel wichtiger ist als ein kaputtes Windrad.

Nämlich Vertrauen.

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