Hoch oben auf einem Hügel, über dem kleinen Dorf, stand ein riesiges Haus und genau dort lebte Motzi.
Das riesige Haus thronte auf dem Hügel wie ein König auf seinem Thron, umgeben von einem Garten voller Rosenbüsche, alter Eichen und bunter Blumen. Durch die bodentiefen Fenster strömte Sonnenlicht, das die prächtigen Räume wie einen Palast erleuchten ließ. Goldgerahmte Gemälde zierten die Wände, und die Einrichtung glich der eines Schlosses. Kostbare Möbel und weiche Teppiche, die bei jedem Schritt sanft unter den Pfoten nachgaben.
Das Haus gehörte Burghardt von Knöterich, einem wohlhabenden Geschäftsmann, der für seine eigenwillige Art zu leben bekannt war. Wenn Burghardt von Knöterich zu Hause war, füllte sein Gemecker das ganze Haus wie ein tosender Wasserfall. Nichts konnte ihm recht gemacht werden: der Tee zu lau, die Rosen nicht perfekt geschnitten. Immer fand er etwas, das ihn in Rage versetzte. „Warum ist der Tee nicht heiß genug? Und wieso sind diese Rosen nicht perfekt geschnitten?“ Seine Stimme hallte oft durch die großen Räume, während er Diener und Gärtner mit seinen Beschwerden auf Trab hielt. Motzi hatte schnell begriffen, dass Meckern hier zum guten Ton gehörte und nahm sich Burghardt von Knöterich zum Vorbild.
Wenn Burghardt von Knöterich beim Frühstück über die zu harte Kruste seines Brotes meckerte, saß Motzi unter dem Tisch und beobachtete ihn aufmerksam. Regte er sich über das Wetter auf – zu warm, zu kalt, zu windig – nickte Motzi fast zustimmend. Es war, als hätte der Kater gelernt, dass Meckern eine Möglichkeit ist, sich Gehör zu verschaffen. Mit der Zeit wurde es zu einem festen Bestandteil seiner Persönlichkeit, und Motzi glaubte schließlich, dass er als Herr des Hauses ebenso das Recht hatte, ständig unzufrieden zu sein.
Motzi war also der Herr des Hauses. Zumindest in seiner eigenen Vorstellung. Er hatte alles, was sich ein Kater nur wünschen konnte: ein großes Bett, das er mit niemandem teilen musste, Spielzeug in Hülle und Fülle und einen Futterplatz, der immer mit den feinsten Leckereien gefüllt war.